Könnt Ihr mir helfen...?

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Deanagha

Könnt Ihr mir helfen...?

Beitragvon Deanagha » Do 29. Mai 2014, 12:43

Seid gegrüßt.

Hmmm....
Ich bin gestern ganz schön durcheinandergeraten.
Ich bin ein Ewig-Nix-Richtig-Macher, oder wie man es ausdrückt. Ich studiere z. Zt. Medizin, mit wechselnden Erfolgen, bin Supermom, habe einen großen Garten, ein Pferd...

Eigentlich ging es um meine fast Vierjährigen. Er ist auffällig, geht nicht gern in den Kindergarten, spielt 200-Teile-Puzzles, will Geige lernen, weigert sich aber im Gegenzug, Bilder auszumalen, immer wenn er über die Linie kommt, bekommt er Anfälle ("Ich mach nur Krickel-Krackel..."), Schimpfwörter, nur beim Pferd ist er ruhig.

Ich bekam den Rat, ihn testen zu lassen, weil er sozial ziemlich inkompetent ist. Oft habe ich ihn verteidigt, weil ich gesagt habe, laßt ihn mal, so war ich auch.... Und nachdem ich mich eine Woche lang durchs Internet gesurft bin, habe ich fast jede Suggestivfrage für meine Großen mit Ja beantworten können (außer die Fragen nach Schule, weil ist ja noch nicht, und nach Sport, er ist ein motorischer Wirbelwind, der sogar schon schwimmen kann....). Und ja, für mich auch.
Irgendwie hat der gordische Knoten bis gestern früh gedauert bis er platzte, dann habe ich 4 Intelligenztests im Internet gemacht, also die, die aufgrund der Menge der Fragen mir vertrauenswürdig erschienen.
Bis auf den letzten, wo ich angeblich im Verbalen minderbemittelt sei (erst ein Zitat aus Faust - Vorspiel auf dem Theater, dann eins aus dem Lied Über Die Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens, und in mir öffnete sich ein Kopfkino, das mich dahin brachte, das Lied erstmal bis zum Ende zu singen; vielleicht wären weniger bekannte Zitate angebrachter gewesen... Außerdem bezweifle ich die Validität des Testes, denn die angegebenen Antworten waren in ihrer Aussage ziemlich unzulänglich und ich hab einfach die einfachste Antwort angekreuzt - mit 15 Punkten im Deutsch-Abi bezweifle ich, daß ich vebale Defizite habe... oder es lag daran, daß es der vierte Test innerhalb von 3 Stunden war, alle plus minus hundert Fragen....)

Wie auch immer, trotz des schlechten Ergebnisses lag die Quersumme aller Testergebnisse noch immer über der "magischen Grenze".

Jetzt läuft mein Kopfkino...... Meine Mathe-Lehrerin, mit der ich mich angelegt habe, weil ihre Zwischenrechnungen schlicht falsch waren und ich mit den Rundungswerten bzw. ohne diesen zu ganz anderen Ergebnissen kam (und sie, klein, blond, vor der Tafel auf- und abhüpfend: "und da soll sich einer durchfinden!", nachdem ich ihr meine Rechenweg vor der ganzen Klasse bewies *gggg*) ..... Der Anatomie-Prof, der mich nach der Entstehung der weißen Fettzelle fragte, in Mikro, und dem ich die Embryologie von der 3. Entwicklungswoche über Fibroblasten etc. erklärte; "Mein liebes Kind, ich wollte hören, daß weiße Fettvakuolen zuerst plurivakuolär sind. Toll war das nicht, aber ich muß sie bestehen lassen." Daraufhin war ich so frustriert, daß ich die ni gewechselt habe...

Ich schweife aus. Was soll ich jetzt machen? Mich offiziell testen lassen? Mir einen Psychiater succhen? Gibt's bei Euch im Forum Irgendwo eine Seite mit Erfahrungswerten? Ich fühhle mich zwischen "SCHEIIIIIISSE!!!!!!" und "Ein Glück *leise gesprochen*

Danke fürs Zuhören. (Zu-Lesen)
Auf bald

anka
Beiträge: 94
Registriert: Do 6. Feb 2014, 16:43

Re: Könnt Ihr mir helfen...?

Beitragvon anka » Sa 31. Mai 2014, 07:35

Willkommen!
Ob ich dir helfen kann, weiß ich nicht, aber ich versuchs mal. Für mich stellt sich gerade die entscheidende Frage ob du dich denn vorher unglücklich gefühlt hast. So wie ich dich verstehe kamst du auf die ganze Sache ja erst durch deinen Sohn. Denn man muss einfach mal klarstellen, dass Hochbegabung keine Krankheit ist. Man tickt in vielen Dingen zwar ein wenig anders als der Rest der Bevölkerung, aber ich wehre mich immer dagegen zu sagen dass man da selbst etwas gegen zu müsste. Solch ein Wissen ist erklärend, aber sollte einen nicht verändern (so a la: ich ziehe mich jetzt von den Dummen zurück weil die mich ja nicht verstehen können).
Ich bin auch so ein gefühlter(!!!!!!!!!) nix-richtig-Macher. Gefühlt deshalb weil mein ganzes Umfeld der Meinung ist dass ich einen krassen Lebenslauf hätte mit allem was ich schon gemacht habe! Ich vermute dein Umfeld findet es auch wahnsinnig stark, dass du als Mutter ein Medizinstudium machst.

Ob du dich testen lassen willst musst du selbst entscheiden? Bist du nur neugierig oder denkst du es hilft dir? Eine Begründung für einen Test wäre wenn du Mitgliedschaft bei Mensa anstrebst (wobei du zu den meisten Stammtischen aber auch ohne Mitglied-sein kommen kannst). Vielleicht macht das vor allem im Hinblick auf deinen Sohn sogar noch mehr Sinn sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Deanagha

Re: Könnt Ihr mir helfen...?

Beitragvon Deanagha » Sa 31. Mai 2014, 12:19

Hallo.
Eine gute Frage. Ich war ziemlich überrollt von der Tatsache, daß plötzlich so viele Dinge einen Sinn machen.

Mein Mann bezeichnet mich öfter als autistisch, er war der Erste, der mir erklärt hat, daß Niemand meinen Gedankensprüngen folgen kann. Seit ich ihn kenne, immerhin schon seit 14 Jahren, bin ich selbstreflektierter.
Ich bin ganz schön angepaßt in mein Umfeld. Ich denke so oft, das kann doch nicht alles sein. Der Großteil der Gespräche langweilt mich zu Tode. Und dann gerate ich zum Bsp. in folgende Situation: ich werde gefragt, wie denn eine bestimmte Vorstellung im Theater war. Ich erzähle, was mir so aufgefallen ist, Bühnenbild, Regieführung, Leider-mal-wieder-Text-Absorbieren der Schauspieler, die nicht genau wußten, wohin, und einer am Tisch stellt die Frage: "Was macht ein Dramaturg?". Und ich lache mich krümelig, denn das war meiner Meinung nach ein super geistreicher Einwurf. Und Alle schauen mich an wie dämlich, weil er es ernst gemeint hat und NIEMAND versteht, warum ich lache. Und mein Mann schämt sich.

Ich habe nach dem Abi, zu dem meine Ma mich gezwungen hat, die Aufnahmeprüfung für Musik gemacht, ein wenig Gesang und Klavier studiert, am Theater gearbeitet, das Theaterwissenschaftsstudium mit 22 wurde mir auch zu langweilig, dann hab ich mich für Medizin beworben, wo ich wie gesagt diesen Dozenten hatte, mit dem ich mich dauernd angelegt habe, dann heiratete mich mein Geliebter, damit ich die Uni wechseln kann und im ersten Jahr an der neuen Uni haben wir es etwas zu ernst mit dem Anatomielernen genommen ;)
Seitdem läuf das Studium eher nebenbei, ich bin stolz auf meine Kinder und auf mein Leben.

Aber es klärt so viel...
Ich habe endlich eine Erklärung, warum ich schnell mal eine Pressemitteilung für den hiesigen Mittelalterverein hinrotze, schnell mal Gewandung für die ganz Familie nähe und auf Märkte gehe, einfach weil ich die Leute nett finde, und nebenbei ein paar Freitertiale (Erklärung: Kindererziehung...) nehme, in denen ich die Prüfungen erledige, auf die ich im laufenden Jahr keine Lust hatte.
Mir im Nacken liegt, daß ich fertig werden muß und endlich Geld verdienen. Aber ich habe das Gefühl (ich lese ziemlich viel im Netz seit diesem Gordischen-Knoten-Platzen), vielleicht bin ich ja doch nicht so ein Versager...?

Medizin ist mein Ding, aber ich habe keine Lust auf Lernen, mußte das früher auch nie wirklich (habe für meine Abi-Prüfung nur für den Bio-LK drei Tage lang abends den Hefter durchgelesen und für die schriftl. Deutschprüfung Fachnomenklatur auswendig gelernt, die ich dann nicht mal brauchte).

Für Nachbarn und Familie bin ich eher der Verlierer, der seine Chancen nicht nutzt :(

Zusammenfassend (entschuldigung, noch immer rattern die Gedanken und ich schreibe sie erklärend mit) muß ich also sagen, ich möchte lernen zu lernen, mich eher zu fokussieren.
Ich weiß, daß mich mein momentanes Studium interessiert, ich weiß auch, daß ich mit einer halben oder dreiviertel Stelle in diesem Beruf arbeiten möchte.
Wie ist also der Weg dahin? Es fällt mir schwer, ohne die Interessen "ringsrum" zu leben. Ich muß lernen, diese zu integrieren.

Ich denke, ich sollte mir jemanden suchen, der mir hilft, mich zu fokussieren, denn ich weiß, mit etwas Konzentration schaffe ich das Studium.

Dann muß ich jemanden finden, der mich unterstützt, mit meinen Kindern ruhig zu bleiben und nicht zu werden wie meine Mutter (Nonkonformität und Anders-Sein wurden in unserer Familie gepflegt, sozusagen wurde mir schon als Kind beigebracht, wir seien anders, also ist die Gefahr relativ klein, daß ich mich durch die kürzlich zurückliegende Erkenntnis als etwas "Besseres" betrachte, sehr schnell gebannt; ich arbeite seit Jahren daran, von diesem hohen Roß zu steigen ;) ). Meine Ma hat mich ordentlich verwamst, wenn sie mit mir nicht klarkam, irgendwann mit dem Kleiderbügel. Sie trinkt sich konstant das Hirn weg, obwohl sie ein toller Typ ist ohne Alkohol. Das darf mir nicht passieren! Vor Allem nicht meinen Kindern, denn ich gab mir jahrelang die Schuld an ihrem Verhalten.

Und natürlich für meine Kinder. Damit sie eine adäquate Betreuung und Förderung bekommen und ihre Langeweile nicht mit dummen Sachen kompensieren, so wie ich es früher tat und manchmal auch jetzt (trotz Meditationen und recht reflektiertem Leben) noch mache.
Ich sehe es als Chance.

Nur... Soll ich mich an einen Psychiater oder Psychologen wenden, wo die Gefahr groß ist, daß ich erstmal drei oder vier nicht leiden mag, oder sollte ich autodidaktisch nach einer Lösung suchen? Wie sind da Eure Erfahrungswerte?
Ich hab auch Angst davor, mich testen zu lassen. Ich hab, um ehrlich zu sein, Prüfungsangst ;)

Die Idee mit den Mensa-Stammtischen finde ich gut. Ich wird mal im Netz recherchieren, wo in der Nähe welche zu finden sind.
Ansonsten hoffe ich, Ihr seid einverstanden, wenn ich mich hier mal anmelde, trotz der noch nicht bewiesenen Laien-Diagnose ;)
Liebe Grüße

anka
Beiträge: 94
Registriert: Do 6. Feb 2014, 16:43

Re: Könnt Ihr mir helfen...?

Beitragvon anka » Sa 31. Mai 2014, 19:51

Deinen Frage nach einem Psychiater oder Psychologen wird dir hier keiner genau beantworten können ohne dich genau zu kennen, sorry. Allerdings ist meine Meinung dass man Hochbegabung nicht so schnell pathologisieren sollte. Man mag als Hochbegabter vielleicht ab und an mehr Probleme mit seiner Umgebung haben (was aber auch Menschen mit anderen komischen Eigenheiten haben) und sich blöderweise dessen bewusster sein, aber man ist deshalb ja noch nicht krank (alle anderen sind es vielleicht ;) ).

Ich habe das Gefühl, dass es dir vielleicht wirklich lediglich an Struktur fehlt, da du nie gelernt hast für Erfolge lernen zu müssen. Und man kann so hochbegabt sein wie man will, in Medizin muss man (auswendig)lernen ... habe was ähnliches studiert und den Anatomie-Präpkurs-Lernwahnsinn auch durchgemacht, weiß also von was ich spreche. Wir können noch glücklich darüber sein dass wir meist ziemlich schnell auswendig lernen können.
Meine Idee für das Thema Struktur wäre folgende: eine oder mehrere Person suchen, mit der du dich alle ein bis zwei Wochen treffen kannst und die die Vorgaben überwachen, die du dir gibst. Du sagst z.B. dass du in der nächsten Woche ein Thema lernen willst, dass du für die nächste Klausur brauchst und musst das dann erledigen. Sobald jemand knallhart fragt ob du es auch gemacht hast stehst du unter dem Druck, den du vielleicht brauchst um dich tatsächlich hinzusetzen. Sowas wie Kontrolle der Hausaufgaben in der Schule :lol: . Der engste Familien-Freundeskreis ist dafür vielleicht nicht zu empfehlen, weil zu persönliche Ebene. Eher jemand der objektiver ist, dessen Meinung du aber respektierst.
Ich weiß das einige bei Mensa so eine Art gegenseitiges Coaching machen, um in bestimmten Themen schneller zum Erfolg zu kommen (Bewerbungen, Businessplan zur Selbstständigkeit etc.). Von daher wäre es auch eine Idee zum Stammtisch zu gehen und mal zu horchen ob jemand Interesse an sowas hätte.


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