Hochbegabung gibt es nicht

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Blackbox
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Hochbegabung gibt es nicht

Beitragvon Blackbox » Di 6. Mär 2018, 08:57

Mit dem Hintergrund, das ein Patient mit einem IQ von 133 sich aufgrund seiner Probleme (die auf seinen IQ zurückzuführen sind) Hilfe suchend an einen Facharzt (in dem Fall ein Psychiater und Neurologe) wendet. Von dem Arzt kam die Aussage: "Hochbegabung gibt es nicht. Das ist nur eine Erfindung von Leuten, die sich wichtig tun wollen"

Wie kann es sein, das ein Hilfe suchender Patient von einem Psychiater so eine Aussage bekommt?
War das vielleicht früher (Der Psychiater war älteren Semesters) eine kursierende Meinung über Hochbegabung? Hat so eine Aussage persönliche persönliche Probleme des Psychiaters als Hintergrund? Oder ist an der Aussage tatsächlich etwas dran?

Ein anderer Neurologe+Psychiater (auch älteren Semesters) hat bei einem Patient einen gemessenen IQ von 126 als "normal intelligent" in einem medizinischen Gutachten beschrieben. Wie kann man solche Verfehlungen erklären?

Zu Psychiatern gehen wohl auch Betroffene mit Leidensdruck und Problemen, die eine eventuelle Hochbegabung als Ursache ihrer Probleme abklären lassen wollen. Oder Eltern eines eventuell Hochbegabten Kindes, die den Grund für die Probleme ihres Kindes herausfinden wollen. Die Aussagen von den 2 Beispielen wären doch dann für keinen Betroffenen eine wirkliche Hilfe.

Okay,...Hochbegabung hat keine ICD-10 Diagnose und ist wissenschaftlich wohl auch nicht einheitlich definiert.
Aber wenn bei einer Person eine Intelligenz über dem Durchschnitt festgestellt wurde, und die Person Probleme hat die eindeutig (oder sehr wahrscheinlich) darauf zurück zu führen sind, kann man das doch als Facharzt nicht einfach abtun als wäre nichts?

Senso

Re: Hochbegabung gibt es nicht

Beitragvon Senso » Di 6. Mär 2018, 13:18

Über die Gründe kann man sicher einiges spekulieren. Da Hochbegabung ja keine Krankheit ist und man als unterforderter Hochbegabter oder Underachiever nicht unbedingt psychische Auffälligkeiten entwickeln muss, orientiert sich der Psychiater vielleicht an den Symptomen einer nach ICD10 definierten Erkrankung. Oder er hat einen Dünkel und weiß, dass viele Hochbegabte nicht autoritätshöring sind. Oder er weiß, dass in Deutschland nicht nach Begabungspotenzial gefördert wird, sondern nach Herkunft und er ist auch so einer, der nicht zu den Begabtesten gehört und dennoch aufgrund seiner Herkunft Arzt geworden ist und daher Hochbegabung ablehnt.

Wenn man mal bedenkt, unter welchen Voraussetzungen ein normaler Arzt sich zum Psychiater weiterbilden kann, finde ich persönlich das alles recht kurz.

sunmaid
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Re: Hochbegabung gibt es nicht

Beitragvon sunmaid » Sa 10. Mär 2018, 16:23

Da scheint der Arzt ein persönliches Problem mit Hochbegabung zu haben. Wie Senso schon schrieb ist er vieleicht nicht ganz so begabt trotz Arztstatus. Es gibt ja nun genug Literatur zu dem Thema und das ist ja auch nicht alles Quatsch. Vielleicht hättest du ihm mal ein Buch empfehlen sollen.

Ich selbst habe Glück gehabt mit meinen Ärzten. Ich war bei einer Heilpraktikerin, die mir eine Ärztin empfohlen hat. Aber auch meine anderen Ärzte nehmen mich ernst.

Wasserfloh
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Re: Hochbegabung gibt es nicht

Beitragvon Wasserfloh » Sa 10. Mär 2018, 18:45

Welche Probleme sollen es denn sein, die eindeutig auf Hochbegabung zurückzuführen sind? Wissenschaftlich konnte das bisher in keiner der glaubwürdigen Studien nachgewiesen werden. Zumal ja Hochbegabung nicht gleich Hochbegabung ist. Es gibt nicht den Hochbegabten. Und zwischen jemandem mit IQ 130 und IQ 160 liegen zwei Standardabweichungen, also genauso viel wie zwischen Durchschnittsmensch und 130er. Was soll das also aussagen?
"Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns." - Dschalâl-ed-dîn Rumî

Unsichtbar
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Re: Hochbegabung gibt es nicht

Beitragvon Unsichtbar » Sa 10. Mär 2018, 21:47

Also ganz ehrlich: ich würde da gar nichts groß rein interpretieren - der Psychiater ist vielleicht einfach ein Idiot.

Ich hab mal einen in der Psychiatrie getroffen, er war sogar Oberarzt auf einer der Stationen, von dem der Spruch sein könnte. Er hat zu ner Freundin gesagt, er würde seine Tochter enterben, wenn sie sich einen Hund anschafft. Und, dass seiner Meinung nach psychisch kranke sich keine Hunde (oder jegliche Haustiere) halten dürften. Die Freundin hat einen Therapiehund, übrigens.

Ein Bekannter von mir sagt immer '90% sind Pfuscher' - in jedem Beruf, Hobby etc. Und je mehr Menschen ich treffe, desto deutlicher fällt mir auf, dass er wahrscheinlich nicht weit daneben liegt mit seiner Aussage.

Es gibt auch viele Psychiater die an ganz andere Dinge nicht glauben, die sogar einen IDC-10 Schlüssel haben.
Out of suffering habe emerged the strongest souls,
the most massive characters are seared with scars.
- Kahlil Gibran

Senso

Re: Hochbegabung gibt es nicht

Beitragvon Senso » Sa 10. Mär 2018, 22:02

Welche Probleme sollen es denn sein, die eindeutig auf Hochbegabung zurückzuführen sind? Wissenschaftlich konnte das bisher in keiner der glaubwürdigen Studien nachgewiesen werden.
Die folgende Antwort ist natürlich nicht repräsentativ und basiert lediglich auf eigenen Erfahrungen, da ich es für sehr wahrscheinlich halte, dass manche psychische oder zwischenmenschliche Probleme bei Menschen auf einer unerkannten Hochbegabung (bei bereits Erwachsenen) basieren. Laut des erstens Buchs von Brackmann wurde darauf hingewiesen und darauf entwickelten sich Foren zum Thema. Dort konnte man nachlesen, dass ein Anteil der User im Verlauf positiv als hochbegabt getestet wurde. Natürlich kann man im Internet alles behaupten, aber es gab auch Treffen im RL, bei denen man sehen und nachvollziehen konnte, dass "echte" Lebensläufe dahinterstecken. Persönlich bin ich auch erst durch Brackmanns Inhalte auf das Thema Hochbegabung bekommen und es hat sich mit dem Mensatest bestätigt. Ist rund 10 Jahre her. Dazu geraten hat mir ein Psychologe, bei dem ich wegen Trauerarbeit in Behandlung war.
Insofern finde ich es schon berechtigt, wenn man dem nachgeht, ob bestimmte psychische Belastungen im Erwachsenen- oder Kindesalter nicht tatsächlich - und vor allem - auf eine bisher unerkannte Hochbegabung/Unterforderung als auf DSM5- oder IDC10-Definitionen basieren. Die Unterscheidung ist natürlich schwierig. Dass Korrelationen nicht auf Kausalität hinweisen, ist ebenso klar, besonders vor dem Hintergrund, dass (unerkannte und ungeförderte) Hochbegabung mit ähnlich auffälligen Symptomen wie bei AD(H)S oder auch Asperger Autismus verwechselt werden können und die Therapiemaßnahmen gesetzt den Fall nicht förderlich wären.
Zumal ja Hochbegabung nicht gleich Hochbegabung ist. Es gibt nicht den Hochbegabten. Und zwischen jemandem mit IQ 130 und IQ 160 liegen zwei Standardabweichungen, also genauso viel wie zwischen Durchschnittsmensch und 130er. Was soll das also aussagen?
Genau. Daher ist eine Differenzierung bzw. "Ausschlussdiagnose" u.U. besonders wichtig, damit Betroffene eine für sie geeignete gezielte Therapieform oder Hilfeleistung erhalten. Immerhin ist das Ziel ja eine verbesserte Lebensqualität.
Ebenso hilfreich empfinde ich es, wenn man sich als Betroffener möglichst viele Informationen über Hochbegabung, evtl. auch zu Psychologie im weitestem Sinn, heranzieht. Habe ich nach meiner Positivdiagnose besonders gerne verfolgt, doch auch bereits zuvor. So kann man selbst viel unnützes Zeugs im Vorfeld klären und es läge ja auch in der Natur des "sagenumwobenem" Hochbegabten: Lösungsorientiertheit als die Charaktereigenschaft. (Gibt's dafür eigentlich ein Fremdwort :?: :shock: )


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